Die Berliner unterliegen dem FC Schalke mit 1:2: Hertha BSC taumelt der Dritten Liga entgegen
Die Kulisse wurde höchsten Erstligaansprüchen gerecht. 70.159 Menschen fanden sich am Samstagmittag im Berliner Olympiastadion ein, obwohl dort nur Zweitliga-Fußball geboten wurde. Mittelmäßiger Zweitligafußball, um ehrlich zu sein.
Ob das auch in der kommenden Saison weiterhin der Fall sein wird, ist seit Samstag noch ein bisschen fraglicher geworden. Hertha BSC taumelt weiter der Dritten Liga entgegen. Die Berliner unterlagen dem FC Schalke 04, dem prominenten Namen zum Trotz selbst keine fußballerische Großmacht mehr, mit 1:2 (0:1).
Im zwölften Heimspiel dieser Saison kassierte Hertha damit die achte Niederlage. Selbst der Trainerwechsel ist inzwischen wirkungslos verpufft. In drei Partien unter Stefan Leitl holten die Berliner einen einzigen Punkt.
Die Lage ist ernst wie lange nicht. „So, wie du dastehst, geht es darum, die Klasse zu halten“, sagte Herthas Sportdirektor Benjamin Weber. „Dafür brauchst du Punkte. Das ist jedem bewusst.“
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Leitl hatte seine Startelf nach der blamablen Niederlage in Elversberg auf drei Positionen verändert. Kapitän Toni Leistner, vor einer Woche zur zweiten Hälfte eingewechselt, spielte diesmal von Anfang an. Luca Schuler stand erstmals seit drei Monaten wieder in der Anfangsformation, Michael Cuisance erstmals überhaupt unter dem neuen Trainer.
Hertha begann in einer 3-5-2-Formation mit Schuler und Fabian Reese im Sturm. In der Abwehr wollte Leitl einen Mann mehr haben, „weil wir mehr Stabilität brauchen“. Schuler sollte „Wucht, Tempo, Größe, Physis“ ins Spiel der Berliner bringen. Auf Diego Demme verzichtete Herthas Trainer, nahm stattdessen mit Luca Wollschläger aus der U 23 einen zusätzlichen Stürmer auf die Bank.
„Volle Verantwortung für die Fahne auf der Brust! Abstiegskampf annehmen!“, stand vor dem Anpfiff auf einem Transparent in der Ostkurve. Doch Herthas Mannschaft schien den Anforderungen des Abstiegskampfes zunächst nur bedingt gewachsen zu sein. Die Berliner begannen fahrig und nervös, ein Fehlpass reihte sich an den nächsten.
Hertha BSC - FC Schalke 04 1:2 (0:1)
Hertha: T. Ernst - Gechter, Leistner (81. Winkler), Marton Dardai - Kenny, Klemens (90. Niederlechner), Zeefuik - Cuisance, Maza (72. Scherhant) - Schuler (82. Wollschläger), Reese.
Schalke: Karius - Bulut (69. Gantenbein), Kalas, M. Kaminski, Donkor (77. Murkin) - Bachmann, Seguin - Aydin (69. Younes), Karaman, Antwi-Adjei (89. Mohr) - Ba (77. Remmert)
Zuschauer: 70.159. Tore: 0:1 Kalas (27.), 1:1 Reese (51.), 1:2 Karaman (53./Foulelfmeter).
Im Vergleich zum ersten Spiel unter Leitl zog sich Hertha diesmal weiter zurück, attackierte erst hinter der Mittellinie. Die Gäste hatten dadurch in der ersten Hälfte ein optisches Übergewicht. Ein stärkerer Gegner als die Schalker, die in der Zweiten Liga sowohl spielerisch als auch tabellarisch selbst nur unteres Mittelmaß repräsentieren, hätte Herthas Verunsicherung wohl entschlossener ausgenutzt.
Offensiv brachte der S04 auch nicht viel zustande. Aber es reichte – weil die Berliner mal wieder im entscheidenden Moment patzten. Mitte der zweiten Hälfte segelte Herthas Torhüter Tjark Ernst am zweiten Pfosten unter einem Eckball hindurch, Tomas Kalas setzte sich gegen Linus Gechter durch und köpfte zum 1:0 ein. Es war das erste Tor, das die Schalker im Jahr 2025 auf fremdem Platz erzielten.
Es geht darum, die Klasse zu halten. Dafür brauchst du Punkte. Das ist jedem bewusst.
Herthas Sportdirektor Benjamin Weber
Offensiv fand Hertha bis kurz vor der Pause kaum statt. Die erste und einzige Chance der ersten Halbzeit ergab sich fast aus dem Nichts, als Reese sich auf der rechten Seite durchsetzte und schnittig in die Mitte flankte. Schuler verpasste in der Mitte, am zweiten Pfosten aber lauerte Deyovaisio Zeefuik, der seinen Flugkopfball jedoch am Tor vorbeisetzte.
„Die erste Halbzeit war mehr als schwierig“, gab Herthas Geschäftsführer Tom Herrich zu. Das Beste zur Pause war aus Berliner Sicht, dass es nur 0:1 stand. Das Ergebnis ließ noch alle Möglichkeiten.
In der zweiten Hälfte war Hertha besser
So begannen die Berliner auch nach dem Wiederanpfiff. In den ersten zweieinhalb Minuten hatte Hertha mehr gefährliche Aktionen als in der kompletten ersten Halbzeit. Jonjoe Kenny scheiterte mit einem Schuss von der Strafraumgrenze an Lorius Karius. Auch den Nachschuss von Cuisance parierte Schalkes Torhüter.
Drei Minuten später war Karius machtlos. Reese ließ Kalas ins Leere grätschen, er legte sich den Ball auf den stärkeren rechten Fuß und vollendete mit einem Schuss ins kurze Eck zum 1:1-Ausgleich.
Hertha schien zurück im Spiel. Schien. Denn nur drei Minuten später brachte Toni Leistner Ibrahim Maza mit einem schlampigen Zuspiel im eigenen Strafraum in Bedrängnis. Pape Ba stürzte über Mazas ausgestrecktes Bein. Den fälligen Elfmeter verwandelte Kenan Karaman zum 2:1 für die Gäste. „Wir bestrafen uns selbst“, klagte Trainer Leitl.
Die Berliner stemmten sich gegen die nächste Heimniederlage, aber vor dem Tor fehlte die letzte Entschlossenheit. Beste Chancen ließ Hertha ungenutzt. „Viermal ist das Tor frei, viermal treffen wir es nicht“, sagte Leitl.
Zeefuik setzte einen weiteren Flugkopfball unbedrängt neben den Pfosten, der eingewechselte Marten Winkler schaffte es aus drei Metern nicht, den Ball über die Linie zu drücken. „Wir dürfen das Spiel nie im Leben verlieren“, sagte Sportdirektor Weber.
Dank der Steigerung nach der Pause fand Trainer Leitl die zweite Halbzeit seiner Mannschaft okay. Aber: „Wir brauchen Siege – und nicht okay.“