Kritik um Halbzeit-Show bei Fußball-WM: Ein wenig mehr Offenheit bitte!

Als Helene Fischer 2017 die Bühne des Berliner Olympiastadions betrat, waren die Pfiffe im Stadion lauter als ihr Gesang. Die Schlagersängerin trat in der ersten Halbzeit des DFB-Pokalfinales auf, mit einer Show, die zum absoluten Publikumsdesaster wurde. Überraschend war das nicht, unter deutschen Fans stößt die Kommerzialisierung und Eventisierung des Fußballs schließlich schon lange auf große Ablehnung.

Dementsprechend negativ waren daher auch erste Fan-Reaktionen in sozialen Medien, nachdem Fifa-Chef Gianni Infantino am Mittwoch auf Instagram bekanntgegeben hatte, dass es beim Endspiel der WM 2026 nun erstmals auch eine Halbzeit-Show geben soll. Dadurch werde das Finale in New Jersey „ein historischer Moment für die WM“, schrieb Infantino auf Instagram.

Hanna Beisel findet, dass im Sport nicht alle immer so rigoros auf ihren Standpunkten beharren sollten.

Für Fußballromantiker ist das ein Dorn im Auge. Die Angst, man orientiere sich in Zukunft immer mehr am kommerzialisiertem US-Sport und weniger auf das sportliche Spielgeschehen auf dem Platz, ist groß. Doch ein wenig mehr Offenheit für Veränderung würde Kritikern in diesem Falle nicht schaden.

Mehr Lockerheit würde Fußball-Fans guttun

Auf Instagram und X kritisieren Nutzende die angebliche Entwicklung in Richtung Super Bowl: „Lasst den Sport, Sport sein“ oder „Die WM ist nicht der Super Bowl“. Und klar, die Kritik an der profitorientierten Geschäftspolitik von Infantino und der Fifa ist mehr als berechtigt.

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Trotzdem hat die Mischung von Entertainment und Sport die Möglichkeit, die Strahlkraft einer sportlichen Großveranstaltung wie der WM zu vergrößern und so auch neue Menschen auf den Fußball aufmerksam zu machen. Gerade in den USA, wo American Football immer noch das Nonplusultra ist, könnte das von großer Bedeutung sein.

Das Ganze nun eine „Superbowlisierung“ der Fußball-Weltmeisterschaft zu nennen, wäre schlichtweg übertrieben. Seit den 1960er Jahren gehören die Halbzeitshows zum festen Bestandteil des Finalspiels der NFL, ab den 1990ern waren es erstmals bekannte Künstler wie Michael Jackson oder Diana Ross, die bei der Sportveranstaltung performten.

Der popkulturelle Charakter hat einen festen Traditionswert im Super Bowl und lässt sich nicht von heute auf morgen auf die Fußball-Weltmeisterschaft übertragen. Eine Musikeinlage macht die WM noch lange nicht zu einer Nachahmung des Super Bowls. Viel mehr kann man es als das Wagen eines Experiments betrachten.

Für diejenigen, die sich so sehr an der Musikeinlage stören, bietet sich die (vermutlich um zehn oder 15 Minuten) verlängerte Halbzeit ideal an, um sich im Stadion das nächste (alkoholfreie) Bier zu holen, in der Toilettenschlange anzustehen oder zu Hause ganz einfach den Sender zu wechseln. Jedenfalls wäre das ein besserer Zeitvertreib als den eigenen Frust durch Buhrufe und Pfiffe an den Musiker:innen auszulassen.

Und ist eine Fußball-WM nicht ohnehin schon ein gigantisches Event? Wer sich da jetzt noch über ein paar Live Acts während der Halbzeit aufregt, glaubt vermutlich auch noch an Chancengleichheit in Champions League oder Bundesliga. Die Kommerzialisierung des Profifußballs ist längst Fakt und es gibt nur eine Möglichkeit, sich dem zu entziehen: Eine Veranstaltung wie die WM komplett zu ignorieren.