Die Befreiung für Hertha BSC: Die Berliner gewinnen 5:1 bei Eintracht Braunschweig

Toreschießen kann so einfach sein: den Ball sauber annehmen, ihn in die richtige Position bringen, das Ziel anvisieren und dann mit der nötigen Entschlossenheit abschließen. Also so, wie es Fabian Reese nach gerade sieben Minuten im Spiel von Hertha BSC gegen Eintracht Braunschweig getan hat.

Nach dem ersten schönen Angriff des Berliner Fußball-Zweitligisten spielte Herthas Rechtsverteidiger Jonjoe Kenny Reese an – und der vollendete aus acht Metern mit einem präzisen Schuss in den Winkel. Mit voller Wucht und totaler Entschlossenheit, all dem also, was den Berlinern zuletzt gefehlt hatte.

Das Spiel hatte kaum begonnen, da liefen die Dinge für die Gäste aus Berlin bereits in die richtige Richtung. Letztlich feierte Hertha BSC vor 22.613 Zuschauern in Braunschweig einen souveränen und ungefährdeten Sieg – den ersten nach acht Wochen und nach nur einem Punkt aus den jüngsten sieben Spielen. 5:1 (3:0) hieß es am Ende für die Berliner.

Die schlimmsten Befürchtungen im Abstiegskampf sind damit erst einmal beseitigt, der Abwärtstrend ist gestoppt. Durch den Erfolg gegen die Eintracht haben die Berliner den Vorsprung auf den Relegationsplatz von drei auf sechs Punkte verdoppelt.

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Eintracht Braunschweig - Hertha BSC 1:5 (0:3)

Braunschweig: Hoffmann - Ivanov, Bicakcic, Nikolaou (63. Ehlers) - Kaufmann (85. Dräger), Baas (46. Tachie), Köhler, Di Michele Sanchez (63. Bell Bell) - Tempelmann - Szabó (46. Polter), Philippe.

Hertha BSC: Ernst - Gechter, Leistner, M. Dardai - Kenny, Klemens (76. Bouchalakis), Zeefuik - Cuisance (66. Demme), Maza (76. Thorsteinsson) - Reese (86. Winkler), Scherhant (86. Schuler).

Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach).

Zuschauer: 22.613.

Tore: 0:1 Reese (8.), 0:2 Scherhant (42.), 0:3 Nikolaou (44./Eigentor), 0:4 Reese (69.), 1:4 Tempelmann (90.+1), 1:5 Winkler (90.+3).

„Heute hat vieles funktioniert“, sagte Herthas Trainer Stefan Leitl. „Aber es ist nicht so, dass wir völlig ausflippen.“ Sportdirektor Benjamin Weber lobte die Mannschaft für „eine Riesenteamleistung“. Sie habe „die Situation angenommen, zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht und vor allem nachgelegt. Das war einfach gut. Aber es war nur ein Sieg.“

Im vierten Spiel als Trainer von Hertha BSC konnte Leitl endlich seinen ersten Sieg feiern. „Ich musste lange warten, das war auch für mich ungewöhnlich“, sagte er. „Heute ist Freude angesagt.“

Von der ersten Minute an waren wir sehr diszipliniert, sehr griffig, sehr intensiv. Und wir haben unsere Torchancen genutzt

Herthas Trainer Stefan Leitl

Nach der Niederlage gegen Schalke 04 vor einer Woche hatte Leitl seine Mannschaft nur auf einer Position verändert. Derry Scherhant lief diesmal als zweiter Stürmer neben Reese auf. „Wir wollten viel Speed haben“, erklärte Leitl, warum er Scherhant den Vorzug vor Luca Schuler gegeben hatte. Der Plan ging auf: Scherhant erzielte ein Tor und bereitete zwei weitere vor.

Überhaupt lief bei den Berlinern diesmal vieles nach Plan. „Von der ersten Minute an waren wir sehr diszipliniert, sehr griffig, sehr intensiv“, sagte Leitl. „Und wir haben unsere Torchancen genutzt.“ Herthas Trainer ließ seine Mannschaft nicht ganz so hoch attackieren wie in den vorangegangenen Spielen. Diesmal legte er mehr Wert auf tiefere Ballgewinne, um dann schnell in die Offensive umzuschalten.

„Jeder Ballverlust war gefühlt eine hundertprozentige Torchance für den Gegner“, sagte Eintrachts Trainer Daniel Scherning. Spätestens mit der frühen Führung durch Reese hatten die Berliner ihren Gegner da, wo sie ihn haben wollten. Hertha konnte den Braunschweiger nun den Ball überlassen – in dem Wissen, dass sie damit nicht viel anzufangen wussten. Offensiv blieb die Eintracht in der kompletten ersten Halbzeit vollkommen harmlos.

Im vierten Spiel feierte Stefan Leitl seinen ersten Sieg als Trainer von Hertha BSC.

© imago/osnapix/IMAGO/osnapix / Titgemeyer

„Wir haben wenig bis gar nichts zugelassen“, sagte Benjamin Weber. Der Berliner Strafraum blieb für die Gastgeber so etwas wie eine verbotene Zone, für die ihnen die Zugangsberechtigung fehlte. Herthas Torhüter Tjark Ernst musste vor der Pause kein einziges Mal aktiv werden. In die größte Not geriet er bei einem krummen Rückpass seines Kollegen Ibrahim Maza. Aber Ernst bereinigte die Situation ohne große Verrenkungen.

Bereits vor der Pause beseitigte Hertha die letzten Zweifel am sechsten Auswärtssieg der Saison – mit zwei Toren innerhalb von exakt 78 Sekunden. Erst düpierte Michael Cuisance die komplette Braunschweiger Defensive. Fünf Gegenspieler, inklusive Torhüter Ron Thorben Hoffmann nahm er mit seinen Haken und Finten aus dem Spiel, ehe er zu Derry Scherhant in die Mitte passte, der ohne größere Mühe seinen siebten Saisontreffer erzielte.

In der zweiten Hälfte hatte Hertha Platz zum Kontern

Gleich nach dem Wiederanpfiff verloren die Braunschweiger den Ball schon wieder. Scherhant passte scharf in die Mitte, wo Eintrachts Innenverteidiger Jannis Nikolaou gar nicht anders konnte, als den Ball zum 3:0 für die Gäste ins eigene Tor zu grätschen. Das Braunschweiger Publikum verabschiedete seine Mannschaft mit Pfiffen in die Pause.

Zu Beginn der zweiten Hälfte wurden die Eintracht-Fans zumindest ein bisschen versöhnt, weil ihr Team, bei allen Unzulänglichkeiten, offensiv entschlossener auftrat und auch zu Chancen kam. Auf der anderen Seite aber bot sich Hertha dadurch mehr Raum zum Kontern und in der Folge auch die eine oder andere Gelegenheit, den Vorsprung noch auszubauen.

Michael Cuisance, in den vergangenen Wochen vergeblich auf der Suche nach der Leichtigkeit der Hinrunde, hatte die erste richtig gute Chance der zweiten Hälfte. Die erste von etlichen, die noch folgen sollten. Der Franzose hatte Braunschweigs Torhüter Hoffmann schon umkurvt und brachte den Ball aus spitzem Winkel aufs Tor. Doch ein Braunschweiger Verteidiger konnte gerade noch auf der Linie klären.

Zwanzig Minuten vor dem Ende erhöhte Reese nach einem Konter auf 4:0, ehe es in der Nachspielzeit noch einmal wild wurde. Erst gelang den Braunschweigern durch Lino Tempelmann überraschend der Ehrentreffer, dann traf der eingewechselte Marten Winkler zum 5:1-Endstand.

So feierte Hertha nach schwierigen Wochen und vielen Enttäuschungen den höchsten Sieg der Saison. Das knifflige Duell gegen die Eintracht, einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, stellte sich als überraschend stressfreie Angelegenheit heraus. Benjamin Weber, Herthas Sportdirektor, sagte: „Jeder wusste, was die Stunde geschlagen hat.“