Ort wurde bis zuletzt geheim gehalten: Rechtsextremist Martin Sellner hält Vortrag in Berlin-Wilmersdorf
Der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner ist in Berlin. Nach Tagesspiegel-Informationen hat Sellner am Donnerstagabend einen Vortrag in einem Lokal in Berlin-Wilmersdorf in unmittelbarer Nähe des U-Bahnhofs Güntzelstraße abgehalten. Bis zuletzt hatte der Kopf der „Identitären Bewegung“ den Ort geheim gehalten. Im Vorfeld war ein Restaurant in der Uhlandstraße vermutet worden.
Stattdessen täuschten die Rechten offenbar den Inhaber des angemieteten Bistros an der Güntzelstraße. Dieser sagte dem Tagesspiegel, dass sich eine größere Gruppe lediglich zum „Essen und Trinken“ angekündigt gehabt habe. Um wen es sich bei der Gruppe handelt, sei ihm nicht klar gewesen. Nach Angaben des Besitzers befanden sich etwa 45 Personen im Innenraum, bei dem die Scheiben angeklebt wurden. Auch Martin Sellner zeigte sich kurzzeitig an der Tür.
Linke setzen Pfefferspray ein
Die Teilnehmer der rechten Veranstaltung hatten sich im Vorfeld am U-Bahnhof Hohenzollernplatz getroffen und waren von dort zu Fuß zum Veranstaltungsort gegangen. Dabei wurden sie von einer Antifa-Gruppe verfolgt. Nach Aussagen von Zeugen kam es daraufhin vor dem Lokal zu Handgreiflichkeiten. Linke Gegendemonstranten sollen außerdem Pfefferspray in das Restaurant gesprüht haben. Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor Ort. Später zeigte die Polizei viel Präsenz.
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Martin Sellner sei der „einzig legitime Grund für einen Abschiebeknast“, hieß es auf einer Gegendemo, die sich spontan vor den Räumlichkeiten des Lokals versammelt hatte. Der Rechtsextremist solle sich zurück nach Österreich „verpissen“. Anwohner, darunter auch unmittelbare Nachbarn des Lokals, sowie Passanten solidarisierten sich mit dem spontanen Protest gegen das rechte Treffen.
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© Julius Geiler
Die Polizei sprach von rund 100 Menschen auf der Gegendemo. Sie seien teilweise dem linken Spektrum zuzuordnen, sagte eine Sprecherin der Polizei. Dass vor dem Eintreffen der Polizei mit Pfefferspray in das Restaurant gesprüht worden sei, konnte die Polizei auf Anfrage zunächst nicht bestätigen. Man habe die beiden Lager voneinander fernhalten können, erklärte die Sprecherin.
Gegendemonstranten blockieren Sellners Taxi
Nach dem Vortrag, der von Teilnehmern der Protestaktion als eine Lesung bezeichnet worden war, blockierten Gegendemonstranten ein Taxi, das Sellner vom Lokal abholen sollte. Mehrere Taxifahrer drehten um, nachdem sie von den Demo-Teilnehmern erfahren hatten, um wen es sich bei den Fahrgästen handele.

© Julius Geiler
Sellner war früher der Sprecher der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in Österreich. Er besuchte zuletzt deutsche Städte, um aus seinem Buch „Remigration“ zu lesen. Die Stadt Potsdam hatte im vergangenen März ein bundesweites Einreiseverbot gegen ihn erlassen. Dagegen hatte Sellner erfolgreich Widerspruch eingelegt.
Hintergrund war die Teilnahme Sellners bei einem Treffen Rechter in einer Potsdamer Villa, bei dem es um die sogenannte Remigration ging. Das Wort dient bei der Identitären Bewegung, in rechten Parteien sowie weiteren rechten bis rechtsextremen Gruppierungen als Euphemismus für die Forderung nach Zwangsausweisung bis hin zu Massendeportationen von Menschen mit Migrationsgeschichte. (mit dpa)