Grüne nach der Wahlniederlage: Ein Neuanfang braucht auch neue Köpfe

Als Britta Haßelmann und Katharina Dröge nach der Bundestagswahl zum ersten Mal im Bundestag vor die Presse treten, ist an der Wand neben den beiden Grünen-Fraktionsvorsitzenden ein Mosaik. Abgebildet sind Flammen, Sterne und eine Sonne. „Wer leuchten will“, steht dort, „muss selber brennen.“

Das Kunstwerk könnte für so manchen bei den Grünen eine hilfreiche Erinnerung sein. In der Partei leuchtet nach der schmerzhaften Wahlschlappe gerade niemand mehr. Der über Jahre hellste Stern der Grünen, Robert Habeck, hat Konsequenzen gezogen und will keine Führungsämter mehr anstreben.

Doch damit scheint die personelle Erneuerung bei den Grünen bereits abgeschlossen zu sein.

Die alte Spitze wurde von der Fraktion einstimmig zur geschäftsführenden Leitung bestimmt. Geht es nach Haßelmann und Dröge, könnte aus der Zwischen- auch eine Langzeitlösung werden. Das Amt bereite ihnen Freude, zudem sei Erfahrung hilfreich, betonte Haßelmann. Einen Strich durch ihre Pläne könnte ihr Annalena Baerbock machen. Auch die Noch-Außenministerin hat Ambitionen. Für die zweite Reihe bringen sich bereits Familienministerin Lisa Paus und der Wahlkampfmanager Andreas Audretsch in Stellung.

Doch ein Neustart braucht auch neue Köpfe. In der Opposition wird die Bundestagsfraktion zum Zentrum der Macht bei den Grünen. Hier kann die mutmaßlich schwarz-rote Koalition gestellt und neue Politikkonzepte vorgestellt werden. Hier können die Grünen beweisen, dass sie noch gebraucht werden.

Dass ausgerechnet die drei Frauen um die neue Führung buhlen, die in dreieinhalb Jahren Ampel den Kurs der Grünen im engsten Führungszirkel, der sogenannten Sechserrunde, mitentschieden haben, leuchtet wenig ein. Welchen inhaltlich neuen Kurs sie der Partei geben wollen, hat keine der Frauen bisher erklärt.

Hinter dem Vorgang zeigt sich nun aber auch das Nachwuchsproblem der Grünen. Die erste Reihe hinter Habeck ist blass geblieben, die zweite Reihe wurde nicht gefördert. Das zieht sich durch: Zehntausende neue Mitglieder haben die Grünen in den vergangenen Jahren gewonnen. Im Funktionärskader der Partei ist davon jedoch bislang nichts zu spüren.

Dahinter steht ein grundsätzliches Problem: Wer in der Partei erfolgreich sein will, muss sich über Jahre in Gremien und Arbeitsgruppen hocharbeiten. Ohne Seilschaften und idealerweise der Unterstützung der Grünen Jugend ist eine Karriere bei den Grünen fast unmöglich geworden. Quereinsteiger haben es bei Listenaufstellungen immer schwerer.

Als Robert Habeck 2002 wegen eines fehlenden Radwegs vor seiner Haustür bei den Grünen eintrat, war er nur zwei Jahre später Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein. Diese Durchlässigkeit ist bei den Grünen selten geworden. Doch die Partei braucht Charaktere, die auch abseits von Parteitagen Menschen begeistern können, leuchten können. So wirken die Grünen in diesen Tagen ziemlich ausgebrannt.