Violinist Christian Tetzlaff sagt USA-Konzerte ab

Christian Tetzlaff habe »fürchterlich« mit sich gerungen, denn »Amerika war eigentlich immer« sein Hauptspielfeld. Das erzählte Christian Tetzlaff, 58, im Interview mit dem NDR . Aber derzeit in den USA aufzutreten, angesichts der politischen Situation unter Donald Trump, ist für den Hamburger Star-Violinisten keine Option.

Wie zuvor die »New York Times«  berichtete, hat Tetzlaff alle seiner acht geplanten Shows in den Staaten abgesagt. Bei seinem letzten Auftritt in den USA habe er sich demnach wie ein Kind bei einem Horrorfilm gefühlt, angesichts der dort herrschenden Ruhe, trotz der drastischen politischen Veränderungen in dem Land.

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»In den ersten sieben Wochen ist alles um hundert Jahre zurückgedreht worden. Jetzt wäre die Zeit, etwas zu sagen«, sagte Tetzlaff im Interview mit dem NDR. Dass dennoch »absolute Stille« herrsche, sowohl unter Musikern als auch vielen Politikern, sei der Hauptgrund für seinen Boykott.

Appell an Musiker in den USA

Ukraine, Frauenrechte, Massenentlassungen im öffentlichen Sektor: Um Trumps Politik etwas entgegenzusetzen, appelliert Tetzlaff an seine Kolleginnen und Kollegen in den USA: »Ich würde mir von Leuten, die ein gutes Standing drüben haben und denen bestimmt noch nichts passieren würde, wünschen, dass sie die Hälfte ihres Honorars ihrer Konzerte für einen Fonds spenden, der die entlassenen amerikanischen Familien unterstützt.«

Eigentlich fühle er sich den USA sehr verbunden, spiele dort mindestens 20-mal im Jahr und habe dort auch Freunde. Aber auch für ihn als Deutscher gelte nun: »Die Zeit der Unschuld ist vorbei!« Alles, was man in den USA als gegeben betrachtet habe, müsse nun auf den Prüfstand, so Tetzlaff.