»Herrhausen« und »Die Zweiflers« bekommen den Grimme-Preis
Bei der Bekanntgabe der Nominierungen im Januar zeichnete es sich schon ab: Die privaten Sender und Plattformen gehen bei den Grimme-Preisen 2025 weitgehend leer aus. Selbst in der Kategorie Fiktion, wo in den Vorjahren oft die bei Serien starken Streamer massiv vertreten waren, dominieren die öffentlichen-rechtlichen Anstalten.
So kann die ARD in diesem Jahr beim seriellen Erzählen gleich einen Dreifach-Erfolg verbuchen: Es werden nicht nur der vierteilige Zeitgeschichts-Thriller »Herrhausen« über die Ermordung des Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen und die sechsteilige deutsch-jüdische Familiengeschichte »Die Zweiflers« ausgezeichnet – sondern auch die für den NDR produzierte Serie »Festmachen« über eine Kapitänsanwärterin.
Das ZDF konnte die Jury hingegen mit der Serie »Uncivilized« überzeugen, die über die Sorgen junger Migranten in Deutschland erzählt.
Keine Neunzigminüter
Im vergangenen Jahr hatte es Unmut in der Branche gegeben, da die Jury nur vier von fünf Preisen im Bereich Fiktion vergeben hatte. Offenbar war man von der Qualität der nominierten Produktionen nicht überzeugt. Diesmal werden wieder fünf Beiträge ausgezeichnet, darunter allerdings keiner der klassischen Neunzigminüter, die früher die Königsklasse der TV-Fiction bildeten.
Preis Nummer fünf in dieser Sparte geht an die satirische Serie »Angemessen Angry« über eine Superheldin, die Vergewaltiger zu Rechenschaft zieht. So kann immerhin ein privater Anbieter einen Erfolg einfahren. Die von RTL+ gestreamte Produktion erhält auch den Publikumspreis der »Marler Gruppe«.
Die Sektion Information ist ebenfalls überwiegend in öffentlich-rechtlicher Hand: Der dort verliehene Preis für die Besondere Journalistische Leistung geht in diesem Jahr an Isabell Beer und Isabel Ströh für ihre digitalen Recherchen zu sexueller Gewalt für ihre Reportagen »Strg_F Epic – Pädokriminelle im Stream: So sicher fühlen sich Täter« und »Strg_F – Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram«.
Die Filme wurden über funk veröffenlicht, das gemeinsame junge Netzwerk von ARD und ZDF. Des Weiteren werden »Deutschland am Limit? Abschiebung, Abschottung, Asyl«, »Einhundertvier«, »Exile Never Ends« und »TOTAL TRUST – Was China der Welt nicht zeigt« mit Preisen bedacht.
Journalistische Urgesteine
Ein Preis für Information geht dann aber doch noch noch ans Privatfernsehen: Mit der Besonderen Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands zeichnet der DVV in diesem Jahr Ulrike von der Groeben und Peter Kloeppel für ihre langjährige journalistische Arbeit bei RTL aus. Die beiden Moderations-Urgesteine waren Mitte vergangenen Jahres bei »RTL Aktuell« ausgeschieden.
Als einzige klassische Streaming-Plattform konnte sich dieses Jahr nur Amazon Prime Video durchsetzen. Sie bekommt im Bereich Unterhaltung eine Grimme-Ehrung für »Die Teddy Teclebrhan Show« . Der NDR wird in dieser Sparte für die Comedy-Serie »Player of Ibiza« ausgezeichnet, in der die Reality-Shows des Privatfernsehens auf die Schippe genommen werden.
Zudem wird die Comedy-Sendung »Kroymann – Ist die noch gut?« mit einem Preis geehrt. Es ist bereits die vierte Auszeichnung für die Namensgeberin des Formats, Maren Kroymann. Sie wurde schon 2018 und 2019 bedacht und erhielt 2023 die Besondere Ehrung des DVV.
Die insgesamt sechzehn Grimme-Preise und drei Sonderpreise werden am 4. April 2025 im Marler Theater vergeben. Die Journalistin Jana Pareigis wird durch die Gala führen, Helmut Zerlett und Band liefern das musikalische Begleitprogramm.
Offenlegung: SPIEGEL-Mitarbeiterin Anja Rützel ist Mitglied der Nominierungskommission Unterhaltung. SPIEGEL-Redakteur Christian Buß ist Mitglied der Jury Fiktion.
Szene aus »Herrhausen« mit Oliver Masucci (M.): Wer ermordete den Chef der Deutschen Bank?
Foto: Florian Emmerich / rbb / ARDMaren Kroymann in der nach ihr benannten Comedy-Sendung: Vierter Grimme-Preis für die Titelheldin
Foto: Norman Keutgen / Radio Bremen