Leiterin der Maskenabteilung am Berliner Ensemble wird freigestellt
Das Berliner Ensemble hat die Leiterin seiner Maskenabteilung freigestellt. Die Theaterleitung arbeite eng mit dem Betriebsrat daran, die Anschuldigungen aufzuarbeiten, heißt es in einem Schreiben vom Freitag des Geschäftsführers und Intendant Oliver Reese an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des berühmten Theaters.
Der SPIEGEL hatte vergangene Woche über Vorwürfe von Mobbing und Machtmissbrauch in der Maskenabteilung des Berliner Ensembles berichtet, laut den Recherchen waren davon insbesondere Mütter betroffen. Mehr als ein Dutzend Frauen hatten dem SPIEGEL von ihren Erinnerungen erzählt, mehrere hatten sich mit abgekürztem Klarnamen und Foto öffentlich geäußert.
Das Berliner Ensemble hatte über eine Anwaltskanzlei mitteilen lassen, die Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung und die Leiterin der Maske seien »unsubstantiiert«, man weise sie ausdrücklich zurück. Um die Konflikte in der Abteilung zu lösen, habe es 2024 diverse Gespräche und ein Mediationsverfahren zwischen der Chefin und ihren Mitarbeiterinnen gegeben. »Mein Eindruck war, wir haben wirklich was erreicht«, hatte Oliver Reese dem SPIEGEL kürzlich gesagt.
Nun aber sollen die Vorwürfe offenbar umfassend aufgearbeitet werden. Man werde sich dabei von der Organisation »Diversity Arts Culture« unterstützen lassen, einer Beratungsstelle für Berliner Kulturbetriebe für Fragen von Diversität und Antidiskriminierung, heißt es in dem Schreiben von Oliver Reese. Neben der Aufarbeitung werde man auch die Organisationsstrukturen am Berliner Ensemble überprüfen, um »eventuelle Defizite« zu beheben.
Vorwürfe sollen vollständig aufgeklärt werden
Seit der Veröffentlichung des SPIEGEL hatte es bereits mehrere Reaktionen gegeben.
Am Weltfrauentag segelten laut einem Medienbericht nach Ende des Theaterstückes »It’s Britney, Bitch!« Flyer durch den Saal des Berliner Ensembles, darauf hieß es unter anderem: »Immer noch klafft an Theatern eine riesige Lücke zwischen nach außen vermarkteten Werten und tatsächlich gelebter Realität hinter den Kulissen.« Dahinter steht offenbar eine aktivistische Gruppierung, die unter dem Hashtag #bertibricht dazu aufruft, Erfahrungen mit Machtstrukturen an Theatern zu teilen. An dem Bronzedenkmal von Bertolt Brecht auf dem Platz vor dem Theater wurde ein Transparent angebracht, darauf stand: »Viel ist schon gewonnen, wenn nur einer aufsteht und ›Nein‹ sagt«.
Die Regisseurin Jorinde Dröse und die Schauspielerin Claude De Demo erklärten sich in einem Instagram-Post solidarisch mit den Betroffenen – sie würden jede Form von Mobbing und Machtmissbrauch verurteilen. Ihr gemeinsames Theaterstück »#motherfuckinghood« über Mutterschaft würden sie am Berliner Ensemble pausieren lassen, bis die Vorwürfe aufgeklärt seien.
Zudem hatten sich aktuelle Mitarbeiterinnen der Maskenabteilung in einem Brief an die Leitung des Hauses gewandt. Es handele sich nicht ausschließlich um vergangene Fälle, wie Intendanten Reese habe verlautbaren lassen. Die bisherigen Maßnahmen hätten keine längerfristigen Verbesserungen hervorgebracht. Der momentan hohe Krankenstand in der Abteilung sei vor allem auf Stimmung und psychische Belastung durch aktuelle Vorkommnisse der Maskenchefin gegenüber Mitarbeiter:innen zurückzuführen.
»Ich setze mich weiterhin persönlich für eine vollständige Aufklärung aller Vorwürfe ein«, heißt es nun in dem Schreiben von Oliver Reese.