Neue Kuratorin des British Museum will Parthenon-Marmore in London behalten
Die neu ernannte Kuratorin des British Museum in London, die Historikerin Tiffany Jenkins, will die Friesteile des Athener Parthenon-Tempels behalten. Jenkins ist eine von fünf Kuratoren und Kuratorinnen oder »Trustees«, die der britische Premierminister vergangene Woche neu ernannt hat.
Wie die britische Zeitung »The Guardian« berichtet, hält die Wissenschaftlerin wenig von der Rückgabe gestohlener Antiquitäten, Jenkins sei vielmehr der Meinung, das Britische Museum besitze die Parthenon-Marmore zu Recht. Über das Thema hat sie sogar ein Buch geschrieben, dessen Titel man schon als Provokation auffassen kann: »Keeping Their Marbles« ist ein auf Deutsch schwer wiederzugebendes Wortspiel zwischen »Ihren Marmor behalten« und »bei Verstand sein«. Darin argumentiert Jenkins, dass Museen sich nicht von postkolonialer Schuld in Restitutionen drängen lassen sollten.
Damit steht Jenkins im starken Gegensatz zu den Entwicklungen der vergangenen Jahre, in denen Institutionen auf der ganzen Welt begonnen haben, die Bedeutung der Rückgabe von Kulturgütern anzuerkennen und gleichzeitig den weltweiten Zugang zum Kulturerbe zu fördern. Griechenlands Kulturministerium hatte gehofft, dass dieser neue, offenere Ansatz den jahrzehntelangen Bemühungen um die Rückgabe der Parthenon-Skulpturen Auftrieb geben würde.
Bei den Parthenon-Friesen handelt es sich um die antiken griechischen Skulpturen, die einst den Tempel auf der Akropolis in Athen schmückten. Sie wurden zwischen 1801 und 1815 von Lord Elgin, dem britischen Botschafter im Osmanischen Reich, entfernt. Elgin hatte behauptet, er habe die Erlaubnis des Sultans gehabt, sie mitzunehmen, obwohl das entsprechende Dokument nie gefunden wurde. Die Skulpturen wurden 1816 vom Britischen Museum erworben, aber ihr rechtmäßiger Besitz ist seit den Achtzigerjahren umstritten.