»Schneewittchen« legt schwachen Start an den Kinokassen hin

Das Live-Action-Märchen »Schneewittchen« von Disney hat nach Schätzungen des Studios am Sonntag nur 43 Millionen Dollar an den US-Kinokassen eingespielt und blieb damit unter den Erwartungen. Auch in Deutschland erreichte der Film mit rund 183.000 gelösten Tickets und einem Einspielergebnis von 1,8 Millionen Euro am Wochenende zwar Platz eins der deutschen Kinocharts, »aber ein starker Start ist das bei Weitem nicht«, schreibt der Branchendienst »Blickpunkt: Film« .

Mit einem Budget von mehr als 250 Millionen Dollar war »Schneewittchen« mit großen Hoffnungen gestartet, zumal der Film Disney zu seinen Ursprüngen zurückführt. Das Original aus dem Jahr 1937 war der erste Zeichentrick-Langfilm des Unternehmens – und einer seiner größten Erfolge.

Schlechte Kritiken

Dieses neue »Schneewittchen« aber hatte es von Anfang an schwer. Schon während der Dreharbeiten gab es eine Debatte über die möglicherweise diskriminierende Darstellung der Zwerge, sodass man sich schließlich für computergenerierte Exemplare entschied, die aber auch nicht überall gut ankamen. Generell geriet der Film in diversen Kulturkämpfen zwischen die Fronten: Die einen fanden ihn zu zeitgeistig, den anderen war er immer noch zu konservativ – obwohl bereits der Prinz abgeschafft und durch einen verbürgerlichten Schwarm ersetzt wurde. Disney sah sich wegen der Debatten gezwungen, die Premiere des Films zu verschieben.

Richtig geholfen hat das dem Film unter der Regie von Marc Webb offenbar auch nicht, die Kritiker waren von Disneys neuestem Live-Action-Remake weitgehend unbeeindruckt, manche sogar regelrecht genervt. Auf der Plattform Rotten Tomatoes erreicht der Film gerade einmal 44 Prozent – so wenige der Rezensionen waren positiv.

Die Einspielergebnisse der Live-Action-Remakes von Disney waren bisher sehr unterschiedlich, aber »Schneewittchen« könnte einen neuen Tiefpunkt markieren. Jon Favreaus fotorealistischer »König der Löwen« (2019) hatte zwar auch keine guten Kritiken, spielte aber weltweit mehr als 1,6 Milliarden Dollar ein. »Schneewittchen« eröffnete schlechter als »Dumbo« (46 Millionen Dollar im Jahr 2019) und weit hinter »Cinderella« (67,9 Millionen Dollar im Jahr 2015).

In Übersee spielte der Film zum Start 44,3 Millionen Dollar ein und erreichte weltweite Einnahmen in Höhe von 87,3 Millionen Dollar. Kurz vor dem Wochenende hatten Experten noch mit einem Gesamtergebnis von fast 100 Millionen Dollar gerechnet, vor ein paar Wochen lagen die Erwartungen noch einmal deutlich höher. Das Ergebnis wird Disneys Strategie, seine Archive für Live-Action-Remakes zu plündern, erneut infrage stellen. Als Nächstes sind neue Versionen von »Vaiana« und »Rapunzel – Neu verföhnt« geplant. Eine Live-Action-Version von »Lilo & Stitch« kommt im Mai auf den Markt.