Der Schnellcheck zum Schwarzwald-»Tatort«

Das Szenario:

Into the wild. An einem heißen Sommertag wird in einer Seilbahngondel ein Tourist erschlagen, wenig später flieht ein Pärchen aus der Gondel aufgebracht in den Wald. Sie ist schwanger und aggressiv, er ist besorgt und panisch. Kommissarin Tobler (Eva Löbau) und Kollege Berg (Hans-Jochen Wagner) hängen sich an die Fersen der Flüchtigen. Irgendwann ist von einem Gehirntumor die Rede, der die Schwangere zur Furie werden lässt und sie dazu drängt, auf alles einzuprügeln. Ist die Frau ein Opfer ihrer Krankheit oder eine Gefahr für die Allgemeinheit? Tobler versucht es mit Empahtie, Berg mit Härte. Bald kämpft jeder gegen jeden und alle zusammen gegen den glühend heißen Schwarzwald.

Der Clou:

Dschungelfieber mit Konstruktionsfehler. Stark, wie hier in der Sommerhitze die Menschen in Flammen gesetzt werden. Schwach, dass es keine verlässlichen psychologischen Erklärungen gibt, die den Ausnahmezustand nachvollziehbar machen. Das atmosphärisch furios inszenierte Waldesrauschen allein reicht nicht. Man stochert mit den Figuren im Grünen rum und sieht das Warum vor lauter Bäumen nicht.

Das Bild:

Die grüne Hölle. Das Grundmotiv taucht immer wieder im Film auf: Es gibt viele farbintensive Panoramen, in denen der Mensch in all seiner Verletzlich- und Gebrechlichkeit vom satten Grün des Waldes verschlungen wird.

Der Dialog:

Franziska Tobler und Friedemann Berg streiten sich über das weitere Vorgehen. Es wird laut und gemein.

Berg: »Die Kucher ist pathologisch aggressiv, und du tust immer noch so, als wär nichts. Ich versteh es nicht.«

Tobler: »Hey!«

Berg: »Erklär es mir einfach: warum?«

Tobler: »Komm erst mal wieder runter!«

Berg: »Weil sie schwanger ist, oder was?«

Tobler: »Ja, lass mal gut sein!«

Berg: »Die steht unter Artenschutz, oder wie?«

Tobler: »Jetzt hör mal auf!«

Berg: »Nein, hör du auf, Franz! Kapier einfach, das ist keine Heilige, nur weil sie ein Kind kriegt, und es bei dir vielleicht nie geklappt hat.«

Tobler ballert Berg eine.

Die Musik:

Der Filmscore von Jannik Giger und Daniel Steiner ist das große Plus. Grollende Blasinstrumente und sägende Streicher kommen hier zu einem bedrohlichen Crescendo zusammen, das vor wogender Naturkulisse seinen Höhepunkt erreicht.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten. Es stöhnt und schreit der Wald: ein Naturschauspiel, dessen Sinn uns leider verborgen bleibt.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Die große Angst«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Szene mit Eva Löbau: Durch die grüne Hölle

Foto: Benoît Linder / SWR